Alle graveln – was ist dran an diesem Trend?

"Jede Tour ein Kurzurlaub"

IMG_20200729_070541.jpg

Gravel-Rennräder haben einen längeren Radstand als Rennräder, aber einen tieferen Schwerpunkt als Crosser. Man sitzt etwas aufrechter, was Gravel-Bikes etwas bequemer als ein Cross- oder Rennrad macht, und man kann ein Gravel-Bike durchaus sogar mit MTB-ähnlichen Reifen fahren. Die Räder schließen eine Lücke im Radsortiment und taugen fürs tägliche Pendeln ebenso wie für lange Ausfahrten auf den unterschiedlichsten Untergründen. Wurzeltrails und Schlammlöcher mögen ein bisschen zu heftig sein zum Graveln (Könner bekommen das natürlich trotzdem hin) – aber Wald- und Schotterwege jeder Art lassen sich genauso gut befahren wie glatter Straßen-Asphalt. Entsprechend hält eine schöne Gravel-Tour die ganze Mischung parat. Und wir vom Radsport-Verband finden es natürlich super, dass viele Hamburger/innen das Radfahren auf diese Weise für sich entdecken.

Inzwischen gibt es auch die ersten Gravel-Wettbewerbe, zum Beispiel Orbit 360 (orbit360.cc), bei dem 16 Routen in 16 Bundesländern (alle deutlich länger als 200 km, teilweise mehr als 300 km) innerhalb eines bestimmten Zeitraums gefahren werden müssen – inklusive Komoot-Rangliste. Einige 100 Teilnehmer haben sich schon angemeldet.

Wir haben mal eine Hamburgerin, die die Hamburg-Route (214 km) bereits absolviert hat, gefragt, was bei dieser neuen Variante des Radsports den Reiz ausmacht. Kathi Sigmund (FC St. Pauli) hat schon vor einiger Zeit das Graveln für sich entdeckt. Gemeinsam haben wir auch darüber gesprochen, was wir in Hamburg zu diesem Thema auf die Beine stellen können – und eine schöne Idee entwickelt, an der wir verbandsseitig noch etwas arbeiten müssen. Stay tuned!

Kathi, warum bringt dir Graveln so viel Spaß?
Man kann mit dem Gravel-Bike alles machen, quasi jeden Untergrund befahren und somit abseits des Straßenverkehrs trainieren. Bei den meisten Gravel-Touren beträgt der Asphalt-Anteil etwa 50 Prozent – das sind dann aber häufig asphaltierte Wirtschaftswege, die irgendwann in Schotterwege oder „Waldautobahnen" übergehen. Mit viel befahrenen Landstraßen hat man eher weniger zu tun. Wirklich spannend ist es, das eigentlich so vertraute Umland ganz neu kennenzulernen. Man fährt ja Strecken, die man mit dem Straßenrennrad nie fahren würde. Ich kenne mich jetzt rund um Hamburg deutlich besser aus und habe sehr viele schöne Ecken entdeckt, selbst in vermeintlich langweiligen Gegenden.

Was ist die größte Herausforderung beim Graveln?
Eigentlich sind das vor allem die Herausforderungen der Natur. Was hält dieser Waldweg jetzt für mich bereit? Hinter welcher Biegung wartet der nächste kurze aber supersteile Anstieg? Vor allem  aber ist jede Gravel-Tour wie ein kleiner Urlaub, erst recht, wenn man so gerne in der Natur ist wie ich. Bei so einer wirklich langen Tour wie der Orbit-Runde kommt dann noch der innere Schweinehund dazu .... 

Das waren deutlich mehr als 200 Kilometer, einmal rund um Hamburg. Wie lange hast du benötigt?
Ich saß etwas über 12 Stunden auf dem Rad – im Gelände geht es ja nicht so schnell voran. Klar, bei solchen Distanzen, die man alleine bewältigt, kämpft man mit dem Schweinehund, da ist ganz Vieles auch Kopfsache. Und man muss sein Trink-Management gut im Griff haben. Ich habe mehr als 8 Liter getrunken, das ging nur mit Trinkrucksack. Die letzten Kilometer waren für mich auch die härtesten. Kurz bevor es mit der Fähre wieder auf die andere Elbseite ging, führte die Strecke quer durch die Harburger Berge, rauf und runter. Da muss man die Konzentration aufrecht halten. Am Ende aber war ich megastolz, das geschafft zu haben. Ich kann’s wirklich nur empfehlen! Man kann solche Touren übrigens auch mit dem Cyclocross-Rad oder MTB fahren – es muss nicht zwingend ein Gravel-Rad sein!

Alexander Böker
02.09.2020

Sponsoren

Bergamont

Facebook

Facebook Facebook Facebook

Website durchsuchen